Zuwendungslust

Es klingelt sturm an der Haustür. 

Ich rappele mich noch halb schlafend auf und taumele aus dem Zimmer zur Treppe. Von oben sehe ich schon meinen Mann zur Tür laufen und öffnen. Unsere Sechsjährige kniet draußen, Tränen in den Augen und schwer atmend, mit ihren neuen grellbunten Rollschuhen an den Füßen. 

Offenbar hatte sie sich eben schon auf der Straße die Seele vor Wut aus dem Leib geschrien. Jedenfalls entnehme ich das den Worten meines Mannes, während ich mich wieder in mein Bett zurückziehe. Ich hatte es nicht gehört und war auch gerade erst eingeschlafen gewesen. Die bleierne Schwere, die ich fühle, erdrückt jedes weitere Engagement. Ich versinke wieder in meinem Bett. 

Die Zimmertür steht einen Spalt offen, so dass ich hören kann, dass mein Mann den Flur wieder verlassen hat und unsere Tochter nun allein mit ihren aufgewühlten Emotionen dort sitzt. Leise schluchzend löst sie die Knieschützer  und zieht ihre Rollschuhe aus. 

Es klingelt Sturm in meiner Seele.

„Du kannst sie doch jetzt nicht alleine lassen.“, denke ich. Ich fühle einen tiefsitzenden wohlvertrauten Schmerz in der Magengegend.

„Bloß nicht allein lassen!“ ist der Reflex, der immer auf diesen Schmerz folgt und mich umtreibt, seitdem ich das erste eigene schreiende Baby in meinen Armen hielt. „Bloß nicht allein lassen! Zuwendung, bitte sofort Zuwendung! Trost muss her.“ Der Schmerz ist unerträglich. 

Ich kenne das schon. Und ich bin froh, dass unsere Tochter schon so groß ist, dass sie schließlich alleine den Weg zu mir und in meine Arme findet. 

Als unsere Kinder noch zu klein waren, um der Zuwendung entgegen zu gehen und sie selbsttätig zu suchen, war das häufiger Stress für mich. Dieser unerträgliche emotionale Schmerz beim Schreien des Kindes und dann das sich Aufraffen, egal wie müde und ausgelaugt ich gerade war. Das hat mich nicht nur an den Rand meiner Kraft, sondern darüber hinaus gebracht. 

Der Zusammenbruch zwang mich dazu, genauer hinzuschauen oder besser gesagt, hinzufühlen. Gerade bei unangenehmen und überfordernden Gefühlen fällt es mir aber nicht leicht, innezuhalten und die Empfindungen wirklich an mich ran zu lassen. Eher möchte ich flüchten, mich ablenken und in irgendeiner Form aktiv werden, um die Gefühle zu beseitigen. Mein Aktionismus bestand darin, meine Kinder zu beruhigen. Wenn das nicht bald gelang, wuchs der Stress und mit ihm die Verzweiflung.

Ich musste lernen, dem Fluchtreflex zu widerstehen und spätestens, wenn das äußere Kind versorgt war, meinen Blick nach Innen zu richten und mich dem, was da in mir offenbar Zuwendung brauchte, meine Aufmerksamkeit zu schenken. 

Das Wort „Zuwendungslust“ begegnete mir beim Hören eines theologischen Vortrags über das Leben von Jesus von Nazareth. Der Referent benutzte es, um einen markanten Wesenszug Jesu zu beschreiben. 

Jesus verbrachte viel Zeit mit unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Gruppen und Schichten der Gesellschaft seiner Zeit. Ganz besonders auffällig ist jedoch sein Hang, gerade mit Randgruppen und Personengruppen, die sonst in der Antike fast nie Erwähnung oder Beachtung finden, besonders viel Zeit zu verbringen und ihnen viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken als irgendjemand vor ihm. Dazu gehören zum Beispiel kranke Menschen, aber auch Kinder, Frauen und andere eher benachteiligte und gesellschaftlich oder religös geächtete Personengruppen. 

Dafür ist er dann auch ziemlich bekannt geworden und viele seiner Anhänger setzten dieses Verhalten schließlich so konsequent fort, dass es uns heute zumindest in unseren Breitengraden recht selbstverständlich erscheint, dass unsere Gesellschaft sich bemüht, auch Randgruppen, Eingeschränkte und Benachteiligte zu integrieren und ihnen ein würdevolles Leben zu ermöglichen.

Und obwohl wir einen wirklich hohen Standard erreicht haben, der weltweit seinesgleichen sucht, bleibt es ein enorm schweres Unterfangen. 

Menschen wirklich verstehen zu wollen, die mir möglicherweise in ihrer körperlichen, psychischen, kulturellen, sprachlichen, alters- oder situationsbedingten Verfasstheit fremd sind und sie so verstehen zu wollen, dass ich oder eine Gesellschaft, ihnen gerecht werden kann, das erfordert Zeit und die Bereitschaft und innere Kapazität zuzuhören, ernst zu nehmen, hinzuschauen, hinzufühlen, die Bereitschaft wirklich Anteil zu nehmen. 

Zuwendungslust eben. 

Jeder Mensch braucht Zuwendung. Durch Zuwendung wächst ein gesundes Selbstwertgefühl und damit auch die Fähigkeit, sich selbst anderen Menschen auf eine gute Art und Weise zuzuwenden. 

Kinder, die eine angemessene Zuwendung und wohlwollende Resonanz in den sensiblen Phasen ihres Lebens nicht oder zu wenig bekommen haben, speichern die mit dieser Erfahrung verbundenen Emotionen ab. 

Das können Gefühle von Überforderung, Stress, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Trauer und Angst sein. Außerdem entwickeln sie Mechanismen, um sich vor solchen Erfahrungen und den damit verbundenen Gefühlen zu schützen. Das können depressive (Rückzug) oder aggressive (im schlimmsten Fall gewalttätige) Mechanismen sein. 

Ziel dieser Mechanismen ist immer Selbstschutz. Nicht noch einmal diese schreckliche Einsamkeit, Angst oder diesen unerträglichen Schmerz erleben müssen. Die Mechanismen entwickeln sich unbewusst und sind von daher nicht ohne weiteres veränderbar. 

Wenn es dann doch passiert, dass solche abgespeicherten Emotionen aufgeweckt werden und sich wieder melden, dann klingelt die Seele Sturm. 

Es benötigt Zeit, Interesse und die Bereitschaft innezuhalten, zu beobachten, zuzuhören, hinzuschauen, hinzufühlen, auszusprechen, zu weinen. 

Zuwendungslust eben…. und Leidensbereitschaft. 

Das Leben Jesu, sein Mut dort hinzuschauen, wo andere wegschauen, dort hinzugehen, wo keiner hin will und schließlich auch seine Leidensbereitschaft sind eine große Inspiration für mich geworden. Nicht nur einmal zeigen die biblischen Lebensberichte, einen Menschen, der sich berühren lässt von der Not, der Einsamkeit, der Trauer seiner Mitmenschen und der ihnen genau dort begegnet und nicht ausweicht. 

Offenbar scheute er die Begegnung mit seinen eigenen Emotionen nicht. Nur wer fühlen kann, was er selbst fühlt, kann auch mitfühlen. Nur wenn ich meinem eigenen Schmerz nicht aus dem Weg gehe, bin ich auch fähig andere in ihrem Schmerz nah zu sein. 

Und so lasse ich mich von Jesus ermutigen mich, dem, was in mir schwach, entmutigt, ohnmächtig und was mir in mir selbst fremd, verachtet oder unerwünscht ist, die Tür zu öffnen, wenn es mal wieder bei mir Sturm klingelt. 

Denn was ich in mir selbst annehmen kann, fällt mir vielleicht dann auch bei anderen nicht mehr so schwer. 

Irgendwo davongeflogen

Ich hab dich frei gelassen
aus dem Käfig,
in dem du stecktest
jahrelang.

Die Tür steht offen.
Der Käfig hängt leer
in der immer gleichen Ecke,
still.

Du bist davon geflogen.
Singst dein Lied jetzt
woanders.

Der Käfig schweigt.
Ich schweige zurück.
Starre ihn an.

Manchmal warte ich,
ja, hoffe vielleicht,
Dich nochmal zu hören
irgendwo…

Dein Lied war so schön
beruhigend,
vertraut.
Du,
so sicher
bei mir.

War es ein Fehler,
Dir die Freiheit zu schenken?
Die Freiheit zu sein,
wer du bist
ohne mich,
ohne Käfig.

Ich leide
still
und bin auch froh,
seltsam froh.

Auf irgendeinem Baum
vielleicht
singst du jetzt dein Lied
Scherst dich nicht
um meine Trauer,
Genießt die Sonne.

Ich bin froh.
Du bist frei
und ich auch.

Frei sein
ist schwer.

Manchmal lassen wir Dinge hinter uns. Manchmal auch ganz unbemerkt. Vorstellungen vom Leben, von Gott oder uns selbst, Freundschaften und andere Beziehungen, Möglichkeiten… Dinge, die nicht mehr zu uns oder unserer Wirklichkeit passen. Und dann gibt es vielleicht irgendwann Momente, wo wir bemerken, dass da eine Leerstelle ist. Und vielleicht müssen wir dann nochmal überlegen, wie wir jetzt damit umgehen wollen

Gute Mutter

Ich weiß, was eine gute Mutter ist
und versuche es zu sein.
Präsent, zugewandt, Engelsgeduld…
Doch manchmal scheitere ich hier.
Scheitere,
an dem Kind in mir.

Trotzig möchte ich dann schreien:
„Was kann ich denn dafür?
Kümmer‘ dich doch selbst!“
Und weiß doch,
dass du das noch nicht kannst,
so wie das Kind in mir.

Und dann muss ich mich entscheiden.
Worum kümmere ich mich zuerst?
Um deinen oder meinen Schmerz?

Denn die Mutter in mir weiß,
was eine gute Mutter ist.
Präsent, zugewandt, Engelsgeduld…
Wenn der Faden reißt, mein Kind,
liegt es nicht an dir.

Es liegt, an dem Kind in mir,
dass heute einen Engel braucht.
Eine Mutter,
wie ich sie grad nicht sein kann,
aber gerne wär‘!

Natürlich bin ich auch als Mutter ein Mensch mit Grenzen, Bedürfnissen, Wünschen und einer eigenen Geschichte. Vielleicht ist es auch gerade diese eigene Geschichte, die in mir ein klares Bild formte, wie ich, nicht nur als Mutter, sondern auch als Mensch, gerne sein wollte. Tatsächlich bin ich nicht nur einmal daran gescheitert.
Ich habe dieses innere Bild aber nicht gänzlich begraben. Ansprüche an sich selbst zu haben, ist nicht verkehrt. Allerdings musste ich meine Vorstellung, ich könnte ohne jedwede Anstrengung einfach dieser Mensch sein, der ich gerne wäre, an die Realität anpassen.
Zum einen hieß das, zu lernen, dass Bedürfnisse zu haben nichts schlechtes oder egoistisches, sondern etwas normales ist. Es hieß zu verlernen, mich dafür zu schämen und schuldig zu fühlen. Und das ist der schwerste Teil!
Und schließlich hieß es, zu lernen, mich angemessen, wie eine gute Mutter, um meine Bedürfnisse zu kümmern, meine Grenzen zu achten und meine Wünsche ernst zu nehmen. Dass ich das nicht schon längst gelernt hatte, liegt sicher nicht zuletzt auch daran, dass ich in einer Gesellschaft aufgewachsen bin, die Kinder im Besonderen und menschliche und emotionale Bedürfnisse im allgemeinen aus dem Blick verloren hat(te).
Dem Kind in mir seine Würde zurück zu geben, die es in dieser Gesellschaft verlor, ist für mich eine wichtige Aufgabe geworden, der ich auch um all der anderen Kinder willen, gerne nachkommen will.“

Liebe Xenia,

Deine Posts bei Facebook heute haben mich total angesprochen und eine Flut von Erinnerungen und Gedanken ausgelöst. Etwas davon möchte ich gerne teilen. Da wir uns aber nicht kennen, will ich noch kurz über mich sagen: ich bin 37 Jahre jung, verheiratet, Mutter von drei Kindern, heute 13, 10 und 6 Jahre alt. 

Ich finde es mutig und klasse, dass du so ehrlich über eure Situation schreibst. Ich bin nicht sicher, ob ich das damals vor 12 Jahren, als ich mich in einer ähnlichen Situation befand wie du jetzt, so hätte formulieren können. 

Ich hatte damals nur ein Kind und bin, als unser Sohn etwas älter als 1,5 Jahre alt war, zusammengebrochen. 

Das war eine ganz entscheidende Erfahrung in meinem bisherigen Leben, über die ich bis heute immer wieder mal nachdenke und reflektiere, wie es dazu kam und was ich seitdem gelernt habe. 

Bevor ich Mutter wurde, schien Muttersein für mich etwas Selbstverständliches, was schon etliche Frauen vor mir erlebt hatten, einschließlich meiner eigenen Mutter. Ich hatte keinerlei Zweifel, dass ich das auch irgendwie hinbekommen würde, obwohl das natürlich eine aufregende und komplett neue Sache sein würde. 

Unser Sohn war ein Wunschkind. Wir hatten uns bewusst entschieden Kinder zu bekommen, obwohl ich das am Anfang unserer Beziehung eigentlich nicht wollte. Trotz meiner pädagogische Ausbildung, fühlte ich mich Kindern gegenüber eher unsicher und unbeholfen. Hätte das damals aber wahrscheinlich weder formulieren noch zugeben können. 

Ich würde heute auch behaupten, dass unser Großer ein Schreibaby war. In seinem ersten Lebensjahr gab es nur eine Nacht, in der ich durchschlief und auch tagsüber war er meistens nicht lange zufrieden. 

Obwohl ich zunehmend frustriert war über die ganze Situation, nahm ich erstmal alles so hin. Wie schon gesagt, glaubte ich ja, dass, wenn so viele Frauen vor mir das hinbekommen haben, mir das auch irgendwie gelingen muss. Also bemühte ich mich, so gut ich konnte. Meinem Mann machte ich Vorwürfe, weil er nachts schlief. Er machte mir Vorwürfe, weil ich schlechte Laune hatte und den Haushalt nicht auf die Reihe bekam. 

Ich bemühte mich zerknirscht und war gleichzeitig sehr verletzt und verzweifelt. Immer wieder mal platzte mein Frust aus mir heraus entweder in unserer Beziehung oder auch gegenüber unserem Kind. Es hat garantiert keinen Spaß gemacht mit mir zusammen zu leben und ich hatte immer wieder und immer mehr ein schlechtes Gewissen deswegen. Und das vergrößerte meine Verzweiflung noch mehr. 

Ich fühlte mich durch die permanente Verantwortung für unser Kind und den Haushalt meines eigenen Lebens beraubt und verfiel darüber schließlich in eine Art Resignation. Ich versuchte meine Aufgaben, so gut es eben ging, zu erledigen und verlor darüber zunehmend den Kontakt zu mir selbst. Ich hoffte einfach, dass sich alles irgendwann von selbst ändern würde. 

Mein Zusammenbruch wurde schließlich durch mehrere Krankheitsphasen unseres Sohnes und schwierige Situationen bei zwei dicht aufeinanderfolgenden Freizeiten, an denen wir teilnahmen, ausgelöst. 

Ich spürte, dass ich mich nicht mehr um ihn kümmern konnte. Und das war eine absolute Katastrophe für mich. 

Ich gehe nicht davon aus, dass du, liebe Xenia, das alles ganz genauso erlebst. Wie sehr erschöpft du bist und was es genau ist, was dir die Kraft raubt und was du bräuchtest, um den Langstreckenlauf, den du begonnen hast, durchzuhalten, das weißt alleine du und kannst auch nur du herausfinden. 

Ich möchte dir nur ein paar Dinge mitgeben, die für mich wichtig geworden sind und mir geholfen haben. Vielleicht ist ja etwas dabei, was du brauchen kannst. 

  1. Nimm dich wichtig!!! 

Mit den Kids und letztlich in allen Beziehungen gilt, was auch im Flugzeug im Notfall gilt: Erst für dich sorgen, dann für die anderen! Erst selbst die Rettungsweste anlegen und Atemmaske aufsetzen und dann bist du auch in der Lage, dich um andere zu kümmern. 

Nimm die Dinge in den Blick, die dir gut tun. Und ich weiß wie wahnsinnig schwer das, in einem Alltag mit so kleinen Kindern ist!! Ich weiß es wirklich! Aber es ist absolut unverzichtbar, wenn du eine zufriedene Mutter sein willst. Suche nach Möglichkeiten Dinge zu tun, die dich glücklich machen und wo du dich lebendig fühlst.

Zu diesem Zweck benötigst du wahrscheinlich momentan auch Unterstützung von außen. 

  1. Bitte um Hilfe! 

Gibt es jemandem in Deinem Umfeld, der dir die Kids ab und zu abnehmen kann? Oder kann dir jemand im Haushalt helfen? Wir haben eine Zeit lang Haushaltshilfen eingestellt. Gibt es Organisationen in eurer Umgebung, die Familien Unterstützung anbieten? 

Würde es dir helfen, dich regelmäßig mit jemandem zu treffen, um über dich und deine Situation zu sprechen? Wer käme dafür in Frage? 

  1. Reflektiere und Experimentiere! 

Ich habe die letzten 12 Jahre damit verbracht, sehr viel nachzudenken, über all die Situationen meines Alltags und wie ich im Einzelfall agiere und reagiere und warum. Was mir wie wichtig ist, worauf ich verzichten kann und worauf nicht. Ich habe mich ausprobiert, bin an mir und am Leben gescheitert, mit dem Kopf vor die Wand gelaufen und musste einsehen, dass manche Idealvorstellungen sich nicht umsetzen lassen, ich Erwartungen zurückschrauben muss. Erwartungen an mich selbst, an meinen Partner, meine Haushaltsführung, Erwartungen an das Leben. Ich brauchte Ermutigung dafür meiner Intuition und meinen Gefühlen zu vertrauen. Manchmal wurde mir diese Ermutigung und Resonanz geschenkt, manchmal musste ich mich auch selbst darum kümmern, sie zu bekommen, indem ich zum Beispiel eine Beratung aufgesucht habe oder Bücher gelesen habe. 

Eine wichtige Rolle spielt dabei für mich die Erweiterung des Raums zwischen Reiz und Reaktion. 

Innehalten. 

Erstmal atmen bevor ich reagiere, bevor ich Entscheidungen treffe, bevor ich eine Antwort gebe, bevor ich mein schreiendes Kind unsanft anpacke und in sein Zimmer befördere. Ich versuche aus Situationen raus zu gehen, wenn ich merke, dass ich nicht gut reagieren kann oder nicht weiß, wie ich reagieren soll. Erstmal nachdenken.

Das dauert alles und braucht Zeit. Aber es lohnt sich! 

Meinen Kindern hat das mehr Zeit vor dem Tablet oder Fernseher beschert als ich eigentlich mit meinem Gewissen und meinen Idealvorstellungen von Erziehung vereinbaren kann. Perfektionismus hätte mich an dieser Stelle allerdings wohl in den nächsten Zusammenbruch befördert.

Gerade für meine Kinder ist dieser Prozess enorm wichtig gewesen. Denn das Verhalten unserer Kinder, welches wir gerne mit“Grenzen testen” betiteln, ist letztlich ihr Versuch herauszufinden, wer wir sind. Sie testen nicht ihre Grenzen, sondern unsere. Grenzen geben einer Sache ihre eigene Form und Gestalt. So ist das in der Kunst und mit uns. 

Wir haben Grenzen und das ist der Grund, weshalb wir unseren Kindern auch welche setzen sollten. Je klarer wir uns über unsere eigenen Grenzen und unsere Bedürfnisse sind, desto klarer können wir sie auch kommunizieren. 

Meiner Erfahrung nach gibt es unseren Kindern viel Sicherheit, wenn sie uns spüren und wissen woran sie bei uns sind. Unsere eigene Unsicherheit führt eher zu Verunsicherung bei den Kids und auch zu weiteren Testungen 😉

Die Sicherheit gewinnen wir, indem wir uns über uns selbst klarer werden. Und die Testphasen sind ein Anreiz dazu in diesen Prozess der Selbsterkenntnis einzusteigen.

Also nochmal: Nimm dir Zeit für dich!

  1. Nicht vergleichen! 

Und ja! Das ist eine anstrengende Lebensphase. Wie anstrengend, ist sicher Typsache. Ich bin einfach sehr gerne auch mal ganz allein und tanke dabei sehr viel Energie. Extrovertiertere Mütter schlaucht die permanente Anwesenheit ihrer Kinder und der daraus resultierende Kontakt wahrscheinlich etwas weniger als introvertierte Leseratten- und Spaziergängerfrauen wie mich 😉 

Auch Mütter sind halt ganz einzigartige Menschen und jede muss da ihren ganz eigenen Weg finden. 

Vergleichen hilft da gar nichts. 

Was du jeden Tag leistest ist einfach der Hammer! Dass dich das an deine Grenzen bringt, ist kein Wunder. Hab Verständnis für dich selbst. Bring zum Ausdruck, wie es dir geht und sag, was du konkret brauchst!

Ich wünsche dir auf jeden Fall Mut, deinen Weg zu finden und ganz viel Ermutigungen und auch ganz praktische Unterstützung. Auch für eure Beziehung! 

Scheiter heiter! Steh auf! Mach weiter! Du wirst gescheiter!

Ganz herzlich Grüße von Mutter zu Mutter

und danke nochmal fürs Teilen

M. 

Ausbruch

Ich richte mich auf
stoße mir den Kopf
an der Decke
immer wieder
der Raum ist zu klein
mein Leben 
ein Gefängnis

Ich trainiere
sanft
schaffe es inzwischen
immer wieder
die Decke anzuheben

werde müde
falle in mich zusammen
bleibe liegen
atme
sammle meine Kräfte
stehe wieder auf

Der Spalt wird größer
das Licht fällt
auf meine Knospe
berührt
wärmt
erweckt
es regt sich
das Leben
in mir

ich plane den Ausbruch

eines Tages...
Doch!
eines Tages
werde ich blühen

Leinen los!

Für die Ladies Zita, Michaela, Eva, Konstanze, Hanna, Heidrun, 
Doro, Anke, Katrin, Susanne, Esther, Kerstin und mich

Auf dem Fluss des Lebens
saßen wir alle in einem Boot.
Nah am Wasser gebaut,
haben wir schulterklopfend
in sanften Wellen
unsere Träume gefüttert
wie ein Kind die Enten.
Manche Blockaden
warfen wir über Bord.
Und nun,
da alles im Fluss ist,
nehmen wir das Steuer in die Hand.
Denn
 – Someday ist not in the calendar! –
Und wir feiern uns hinein
in die Gestalt
unserer Erfolge.

Und im Winter
kann man immernoch singen!

Ich bin noch ganz erfüllt von diesem wohltuenden und inspirierenden Wochenende auf einem Hausboot auf der Spree in Berlin. Die obigen Zeilen sind sozusagen eine konzentrierte Beschreibung dessen, was ich mit 12 anderen Frauen dort erlebte und deshalb auch irgendwie ein Insider. 🙂 Aber vielleicht machen sie dich ja neugierig.

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Heute vormittag habe ich mir erlaubt nichts zu tun. Ich habe nur herumgesessen bzw. gekniet und hab mir Zeit gelassen. Da sind Gedanken gekommen und gegangen. Ich habe Schmerzen im Nacken gespürt und wie schwer es mir fiel, die Gedanken und den Aktionismus in mir loszulassen. Ich hatte mir fest vorgenommen nichts zu tun. Das hab ich gut gemacht. Anders hätte ich es wahrscheinlich nicht durchgehalten.

Es stehen heute 10 Sachen auf meiner To do Liste. Eine Elfte habe ich schon gestrichen. Ich war heute schon walken. Das war auch sehr gut! Vorher habe ich noch einiges getan, was nicht auf der Liste steht, weil ich es jeden Tag mache und nicht extra aufschreibe.

Es tat gut nichts zu tun. Es tut immer wieder gut. Jedenfalls dann, wenn ich damit nichts erreichen will. Heute brauchte ich etwas Durchhaltevermögen, um diesen „Ich will nichts erreichen – Modus“ zu erreichen… Noch nicht mal das sollte man erzwingen wollen 😉

Ich will oft so vieles.

In der Ruhe angekommen, will ich eigentlich selten wieder da weg. Ruhe ist schön! Sooo schön! 🙂

Ach du liebe Wut

Kürzlich hatt' ich ziemlich Wut, 
sogar beim Schlafen hat ich Not.
In der Nacht lag ich so wach
und dachte nach.

In den frühen Morgenstunden
wollte ich 'ne Lösung finden.
Ich bin ins Internet gegangen
und hab zu lesen angefangen.

Ich wollte in Erfahrung bringen,
wie andre mit der Wut umgingen.
Nun holte ich mir also Rat,
das fand ich hilfreich in der Tat:

Man könne sich ablenken,
statt ständig an die Wut zu denken.
Am besten eine Auszeit nehmen,
 statt sich hinterher zu schämen,
weil man sich hinreißen ließ
und sagte Sachen, die sind fies.

Man könne Wut als Energie verstehen
und sie im Körper gut wahrnehmen.
Oder einfach trotzdem lächeln,
tief atmen statt zu hecheln.
Oder eine Runde rennen.
Und singen,
dafür muss man Lieder kennen 🙂


Die Wut zu fühlen statt sie zu denken
und mir noch etwas Zeit zu schenken,
das hat mir dann ganz gut getan,
so konnt ich schlafen irgendwann.

Morgens hab ich mir nochmal Zeit genommen,
mit meiner Wut zusamm' zu kommen.

Ich hab ihr ein Gesicht gegeben,
indem ich sie gemalt hab eben.
Ich sah sie an und hab gefragt,
"Warum sie mich zur Zeit so plagt?
Ob sie mir etwas sagen will?
Dann war ich still.

"Ruhe könnte sie gebrauchen",
fing sie schließlich an zu fauchen.
"Und außerdem", kam's von tief drinnen,
"möchte sie auch mal bestimmen,
wie sie ihr Leben leben möcht
und es nicht andern machen Recht."

Da war ich doch ganz schön geplättet,
denn darauf hätt' ich nicht gewettet.
Ich musste das erstmal verdauen
und dann mal schauen... .

Schließlich sagte ich zur Wut:
"Ihre Worte wären gut
und ich würde ihr gestatten,
mich auch in Zukunft zu beraten."

Da war sie dann auch hochzufrieden
und wusste, sie wird nicht gemieden.
Seitdem gehört sie mit zum Team
und muss nicht einsam umherziehn.

Ich musste ja dann trotzdem reden
mit den Leuten deretwegen,
ich mit ihr Bekanntschaft machte. 
Das gelang mir auch ganz sachte.

Ich hatte sie ganz gut verstanden
und wurde nicht zum Elefanten.
Das Porzellan, das blieb ganz heil
und das auch nicht nur so zum Teil.

Drum müsste ich etwas empfehlen,
so wär's: sich nicht davon zu stehlen,
nicht schweigen und nicht unterdrücken.
Doch auch nicht prügeln und rumzicken.

Sondern der Wut 'ne Stimme geben,
ihr zuhör'n, sollte sie auch beben.
Ihr Zeit lassen, all das zu sagen,
was wir vielleicht nur schwer ertragen.
Erlauben, dass sie da sein darf,
ganz ungeschminkt und gar nicht brav.

Ich sag das auch nicht leicht daher,
mit Wut umgehen, ist echt schwer.
Ich kann auch gar nicht sicher sagen,
werd ich es demnächst wieder wagen,
so vorbildlich hier zu agieren
und ihr geduldig zu zuhören!?

Dennoch will ich 'ne Bresche schlagen:
auch deine Wut soll nicht verzagen.
Denn auch die Wut, die braucht 'nen Platz
und das ist jetzt mein letzter Satz.


Im Keller

„Meine Laune ist im Keller, ich hoffe sie bringt Wein mit.“

Vor kurzem las ich diesen witzigen Spruch. Der fiel mir gerade wieder ein, als ich an meinen Blutdruck dachte. Der ist nämlich bei mir im Keller. Als ich kürzlich darüber nachdachte, was er mir damit vielleicht sagen möchte, formte sich der Satz: „Halt mal die Bälle flach!“ Und obwohl das im Hinblick auf Stress, Sachen, die keine Freude machen und erdrückende Gedankenkarusselle und so, ein echt guter Hinweis ist, war mir das dann doch zu wenig motivierend. Also hab ich überlegt, ob da auch eine erfreulichere Botschaft drinne stecken könnte und kam auf:

„Du hast da noch ganz viel Luft nach oben!“ 🙂

Na, das ist doch mal ein Ansporn!