Ohne Worte

In der Stille
vor Gott zu sein,
ist für mich ein Akt der Anbetung
und der Hingabe.
Ich muss gar nichts tun.
Es geht nur um meine Anwesenheit.

Mit meinem Dasein
und meiner Ausrichtung
sage ich unausgesprochen:
Ich bin hier vor dir,
weil du wichtig bist
für mich
und für diese Welt.

Ich erwarte nichts,
ich beanspruche nichts.
Im Gegenteil,
ich erlaube Gott
so da zu sein,
wie er ist und will.
Genauso,
wie er mir erlaubt,
so da zu sein,
wie ich gerade bin,
mit meiner Verfassung,
meinen Themen.

Gerade darin erfahre ich
sein JA zu mir
und lerne
in dieses JA
einzuwilligen.

Ja, ich muss das lernen.
Denn es ist mir nicht leicht,
so vor Gott zu sein,
wie ich bin.

Gerade in der schweigenden Anwesenheit
wird mir stärker bewusst,
wie es mir gerade geht
und wovon
ich in Beschlag genommen bin.

In dieser Zeit
hat meine Seele Gelegenheit
alles mögliche
in mein Bewusstsein
zu spülen,
was ich
in der Aktion
gut verdrängen kann.

Das ist durchaus oft unangenehm.
Und doch
es gibt nichts heilsameres
als es gerade hier
wahrzunehmen,
auszuhalten
und hin zu halten.
Denn alles darf hier sein.

Für Gott gibt es keine Tabus.
Höchstens für mich.
Er kann alles aushalten.
Ich vielleicht nicht.
Und das ist auch in Ordnung.

In seinem Ja zu mir,
komme ich zur Ruhe.
Ich kann nicht alles ändern,
aber es ändert sich etwas in mir.

Ich halte Gott die Tür auf
zu meinem Herzen
und damit auch
zu seiner Welt.

So bringe ich
mein Vertrauen zum Ausdruck
und ehre ihn.

Einfach
ohne Worte.

Advertisements

Erwin

Ich sitze mit Wut und Ärger im Bauch auf meinem Meditationskissen.

„Du kannst deine Unzufriedenheit selbst gerade nicht besonders gut aushalten,was!?“

„Nein, kann ich nicht. Ich möchte im Grunde nicht unzufrieden sei. Das ist unangenehm und unerfreulich auch für die anderen.“

„Wegen mir darf deine Wut jetzt hier bei uns sein.“

„Ja.“ (seufz)

„Was denkst du, was die Wut braucht?“

„Ich hab den Eindruck, sie braucht vor allem gerade Zeit… Zeit da zu sein.“

„Möchtest du ihr Zeit geben?“

„Ach, sie nervt mich so… .
Ich lass ihr Zeit, ok.“

Ich beobachte meine Wut.

„Wie heißt deine Wut?“

„Sie heißt Erwin!“

„Was macht Erwin?“

„Erwin schreit und schlägt um sich. Er trommelt mit den Fäusten auf den Boden. Er wirft mit Sachen um sich… .“

„Was schreit er denn?

„ER schreit: ‚Lass mich in Ruhe, ich kann das nicht ertragen. Warum tust du mir das an. Ich halte das jetzt nicht aus… !‘
Ich glaube, Erwin ist gerade alles zu viel. Er braucht Ruhe und eine Pause.“

 

Wir lassen Erwin noch toben bis er erschöpft ist.

Langsam beruhige ich mich. Erwins Anwesenheit auszuhalten war nicht einfach. Aber schließlich war es gut, dass er seine Zeit und seinen Raum bekam.

Vielen Dank an meinen inneren Therapeuten!!

Vielversprechende Pflanzen

Wer angesehen wird und merkt  dass man ihm etwas zutraut, der wächst. Wer seinen Platz im Leben findet, erblüht – und nimmt dabei erstaunlicherweise keinen fremden Platz ein, nur den eigenen. Dennoch ist unsere Gesellschaft voller Blumen, die nie zur Blüte gelangt sind, Menschen, deren Gaben nie gesehen und in Gebrauch genommen wurden und die den Glauben daran verloren haben, dass gerade sie einen wichtigen Teil zum Ganzen beitragen könnten. Diese Art von Zweifel hat manche vielversprechende Pflanze erstickt und die Welt zu einem ärmeren Ort gemacht.

Tomas Sjödin

Am Totenbett

atemlos
leichenblass
es ist noch dein Gesicht
und doch nur eine Hülle

leere Stille
unbewohnt
regungslos

doch noch nicht lange

eben warst du noch da
hat dein Geist
deinen Körper noch belebt
bewegt
sich mitgeteilt

nur eine Ahnung weit
doch nicht zu fassen
wohin du gegangen

all die Erinnerungen
füllen die Luft
und unsere Gedanken

dein Lachen
dein Witz
dein suchender Blick

Dankbarkeit und Schmerz

fort genommen
bist du uns
in dieser Welt

wir hören noch nicht auf
von dir zu reden
und vielleicht auch mit dir

du verbindest uns nun
mit der anderen Welt
auf die auch wir
unweigerlich
zu gehen

 

Nichts wollen

Ich spüre hin
wo ich den Boden berühre
alle meine Seelenkräfte
kehren zurück
in meinen Körper

Ich bin ganz hier
in meiner Gegenwart
und weil du in mir wohnst
ist es auch
deine Gegenwart

Mein Geist verharrt
will nichts
als da sein
wo du bist
in Berührung
mit dem Leben
wie es sich gerade schenkt

Nichts wollen
nicht streben
kein Ziel
nur dasein
atmen
spüren

Ich komme zur Ruhe

Aufhören zu denken, zu ergründen
nichts suchen
nur sein

Ich atme deine Gegenwart
die Erlaubnis
das Willkommen

Ich wehre mich nicht
lehne mich nicht auf
auch nicht gegen die Gedanken
die hin und wieder meinen Geist davon tragen
sie können ihn nicht halten
er kehrt zurück
zu deinem Geist

Alles kommt von dir
alles gehört dir

wie in einen Sessel
lehnt sich das Leben in mich
lässt die Arme erschlaffen
schließt die Augen
und genießt

die Erlaubnis zu sein ohne Erwartungen

Das Vielerlei der Tage
hat mich ausgezehrt
und müde gemacht

getrieben, gezielt

so viele Berührungen
und so wenig Raum

hier jetzt endlich
wieder Weite
aufatmen
ausatmen
nachsinnen
sinken lassen
auf den Boden

Ich bin

gesund ernähren

Hinweise zu Gesundheit und Ernährung. Gefunden im Evangelischen Gesangbuch:

„Alles vergehet,
Gott aber stehet
ohn alles Wanken;
seine Gedanken,
sein Wort und Wille
hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden,
die nehmen nicht Schaden,
heilen im Herzen
die tödlichen Schmerzen,
halten uns zeitlich und ewig
gesund.

Willst du mir geben,
womit mein Leben
ich kann ernähren,
so lass mich hören
allzeit im Herzen
dies heilige Wort:

Gott ist das Größte,
das Schönste und Beste,
Gott ist das Süßte
und Allergewisste,
aus allen Schätzen
der edelste Hort“

Paul Gerhardt