Religion

Ob man eine „Religion ausüben“ vielleicht mit dem Sprechen einer Sprache vergleichen kann?

Dann könnte man andere Religionen (Sprachen) nämlich durchaus spannend finden, lernen und ausprobieren ohne sie zu verteufeln.

Man spricht eine später erlernte Sprache anders als die Muttersprache.

Außerdem könnte man durchaus auch Worte und Wendungen in die Muttersprache integrieren. Stichwort „Denglisch“…

Nur so ein Gedanke.

Ein Schwellengang

"Ich störe.", denkt die Frau als sie sich ihren Weg durch das hohe Gras bahnt. 
Sie bleibt stehen.
Welchen Weg soll sie nehmen?
Sie schaut.

Ein Vogelpärchen fliegt auf. Ein Hase oder Reh verschwindet im Gestrüpp.
"Ich sag ja, ich störe.", denkt die Frau.
Schritt für Schritt.
Sie hebt die Beine über das Gras in dem Bemühen so wenig wie möglich platt zu treten.
Sie schaut aufmerksam.
Ungern will sie in Nester oder Tiere treten.
Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie in fremden Lebensraum eindringt
und die Wesen dort aufstört.

"Bin ich ein Störenfried?", fragt sie sich und merkt, wie sehr diese Frage zu ihr gehört.

Sie hat viele Fragen und sie weiß oft gar nicht, wo sie anfangen soll.

"Was willst du hier?", hört sie.
Sie denkt nach...
Wenn sie das nur selbst wüsste.
"Warum bist du hier?
Ehrlichgesagt hat sie keine Ahnung.
"Was willst du hier?"
Vielleicht Ruhe?! In Ruhe gelassen werden...?

Die Erde trägt sie. Die Buche. an der sie lehnt, hält sie.
Der Wind geht durch die Bäume.
Die Vögel zwitschern. Die Käfer krabbeln.

"Ich bin da.", sagt das Leben.
"Ich bin immer da. Ich werde da sein, auch wenn du nicht da bist.
Du kannst dich auf mich verlassen."

Die Frau atmet.
Sie atmet den Wind und die Bäume und das Dasein.
Es gibt nichts zu tun.
Atmen und Dasein, so wie all die Wesen, um sie herum.

Was würde sie tun, wenn sie ein Jahr Zeit hätte und nicht zu einer Arbeit müsste?

Hören!
"Ja!", lächelt das Leben." Da hören wir einander zu..."

Und in Beziehung gehen, Beziehung suchen, Beziehungen...
Das sucht sie. Danach sehnt sie sich.
Dafür und davon lebt sie.

"Was willst du hier?"

"Dass niemand etwas von mir will", denkt sie.
Aber das stimmt nicht.
Man soll etwas von ihr wollen.
Am besten etwas, dass sie geben kann...?
Sie will nur nicht mehr geben, was sie nicht hat.

Sie will in Beziehung sein, hören, aufmerksam sein, Resonanz geben...

Sie spürt das Leben in den Gräsern, im Wind und in den Vogelstimmen.

"Menschen sind anspruchsvoll.
Die Menschen hier sind sehr anspruchsvoll.
Sie wollen zu viel in zu kurzer Zeit." sagt das Leben.

"Du siehst ja wieviel Zeit es braucht bis die Pflanzen wachsen.
Die Menschen geben dem Wachsen zu wenig Zeit und sie wollen so viel auf einmal.
Was sie alles wollen, passt gar nicht in ein Leben.
Man kann nicht alles auf einmal wachsen lassen in so kurzer Zeit.
Man muss sich beschränken und während eines wächst, stirbt etwas anderes ab.
So ist das Leben.", sagt das Leben.

Die Frau hört dem Leben zu und weiß: es stimmt.

Ihr Leben ist schon ziemlich voll.

Wofür will sie Raum schaffen und was muss dafür weichen?

Sie will Raum haben für sich selbst und ihre innere Stimme.
Für Intuition, für spontanes Reagieren auf das Leben,
für Beziehungen und Zuhören und Resonanz...
und sie weiß nicht, wo sie das hinführt.

"Ich bin da.", sagt das Leben.

"Bitte rufe mich,", sagt die Frau, wenn ich meine innere Stimme mal wieder nicht höre."

Dann geht sie, nicht ohne sich zu verabschieden.

Ein Morgen

Ein Morgen. 
Mühsam aus dem Bett geschält.
Alltägliches getan.
Schwere Gedanken. Schwere Gefühle.
Einkaufen.
Nach Hause fahren.
Rosa Leuchten hinter den Häusern,
verheißungsvoll…
Vorfreude
Endlich fahre ich aus der Stadt…
Und da ist er…


Der Sonnenaufgang!

Besänftigend beleuchtet er die Welt
und meine Seele.
Mein Herz wird leichter.
So schön, so herrlich	
Schönheit ernährt die Seele.
Ich bin dankbar,
dass ich in der Natur immer wieder Trost finde 
und Nahrung für mein Herz.
Die Erde ist mir eine Mutter, 
Bäume und Vögel, Schwestern und Brüder, 
Wind, Kälte und Wärme auch. 
Ich kann mich freuen an der Verschiedenheit der Jahreszeiten. 
In ihnen spiegelt sich so viel von den verschiedenen Facetten unseres Lebens.

Der Schnee der das Land bedeckt und die Dunkelheit der Wintertage,
rufen mich zur Ruhe zu kommen, 
Dinge ruhen zu lassen, innezuhalten. 
Der Winter erinnert mich an die Stille und den Tod 
und auch an das Vertrauen, 
dass das Leben weitergeht.

Doch bevor es weitergehen kann, braucht es die Stille, braucht es die Pause.

Die Stille ist schon sehr früh, ein wichtiger Lebensanker für mich geworden.
Vielleicht auch, weil ich zu oft mit einem dysregulierten Nervensystem in dieser Welt unterwegs war.
Ich habe in letzter Zeit viele Impulse zum Thema „dysreguliertes Nervensystem“ bekommen. 
Das beschäftigt mich.

Obwohl die Stille auch unangenehme Themen und Emotionen ins Bewusstsein spült, hat sie mich immer auch entspannt. Ich ging in die Stille um auf Gott zu hören und Gott war, so hatte ich es gelernt, ein vertrauenswürdiges Gegenüber. Darauf hoffte ich jedenfalls und in der Stille bzw. in der Entspannung konnte ich das spüren. Ich konnte Vertrauen spüren. Möglicherweise war die Stille beinah der einzige Ort, an dem ich das konnte.

Wie entspannst du dich?

Ständig unentspannt zu sein, macht auf Dauer krank.
Ob wir uns entspannen können und Vertrauen ins das Leben, in andere Menschen und in uns selbst finden, hängt sehr stark von unseren ersten Lebenserfahrungen ab.

Ob wir eine sichere Bindung zu unseren Eltern und/oder den ersten Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren aufbauen konnten oder nicht.
Ob diese uns helfen konnten Stress abzubauen oder uns eher unter Stress gesetzt haben. 
Ob wir Einfühlung und Verständnis und eine liebevolle aber klare Führung erlebt haben.
Ob unsere Bedürfnisse und Gefühle (an)erkannt und verstanden worden sind.

All das spielt eine wesentliche Rolle.

Deshalb ist es mir so wichtig, genauer hinzuschauen, wie wir mit den Kindern leben und umgehen.
Wir wissen heute so viel mehr darüber als vor etlichen Jahren noch und ich bin mega dankbar, dass es inzwischen so viele Leute gibt, die darüber aufklären.
Und sich auch schon einiges getan hat. Siehe Bonding nach der Geburt, Eingewöhnungszeiten in den Kitas etc.

Wir wissen heute viel besser, was Kinder brauchen, um selbstbewusste, selbstständige und sozialfähige Erwachsene zu werden.
Zunächst mal brauchen Kinder Erwachsene, die Interesse an ihnen und ihrer Entwicklung haben und die bereit sind sich mit sich selbst und ihrem Verhalten auseinanderzusetzen.

Auch wenn der Begriff „Gewaltfreie Kommunikation“ nicht unbedingt der optimalste ist, verbirgt sich hinter dieser Methode aus meiner Sicht, ein richtig gutes Werkzeug, um sich auf den Weg zu machen und zu erforschen, wie wir im Umgang mit uns selbst und miteinander menschlicher, friedvoller und entspannter werden können.

Wenn dich das interessiert, informier dich doch mal darüber!

Zum Beispiel hier:
https://kw-herzenssache.de/
https://www.artgerecht-projekt.de/
https://dr-retz.de/
https://www.gfk-info.de/was-ist-gewaltfreie-kommunikation/

Liebe Grüße
Maria

Liebes Serotonin,

schon länger will ich dir schreiben: 
Willkommen in meinem Leben 
bzw. in meinem Gehirn :-)
Ich habe dich dort wahrscheinlich schon viel zu lange sehr vermisst.
Erst seitdem du (wieder?) da bist, ist mir das so richtig klar.
Was habe ich mich herumgequält!
Ohne zu wissen, dass du mir fehlst.
Jetzt bist du da :-)
Und siehe da, das Leben erscheint mir plötzlich lebbar, schaffbar, aushaltbar...
Nicht, dass es nicht mehr herausfordernd wäre, aber mit dir zusammen bin ich deutlich entspannter und zuversichtlicher.
Das hilft schon enorm.
Also danke!
Ob du irgendwann auch freiwillig, den Weg in mein Oberstübchen gehst, weiß ich noch nicht.
Aber das ist grad auch nicht so wichtig.
Hauptsache du bist überhaupt erst einmal dort ;-)
Leb dich gut ein!
Liebste Grüße
M.

Müsste ich dir erzählen

Müsste ich dir die Geschichte der letzten Wochen erzählen, 
erzählte ich dir,
wie ich auf den Berg meiner Angst gestiegen bin
und entschieden habe,
das Leben zu beenden,
welches ich bisher führte.

Ich erzählte dir von meinem Engel,
der mich mit seinen wunderschönen Augen
dorthin begleitete
und sich schließlich
als Junkie entpuppte.

Ich erzählte dir von Mut, Entscheidungen,
Gesprächen, einem Brief, Angst
und einer Einladung zum Essen

und von Freundschaft.

Es gab ein Erdbeben
und die Kinder haben geweint.

Ich müsste dir von Schmerz erzählen
und auch von der Erleichterung.

Trauer zuzulassen ist mutig und gut.

Ich würde erzählen, wie ich mich tagelang
durch den aufgewirbelten Staub vorwärts tastete
bis ich schließlich ein wenig Abstand und Ruhe
in meiner Lieblingspension
im grünen Herz Deutschlands fand.

Dort hatte ich eine denkwürdige Begegnung,
die mein Herz höher schlagen ließ,
plötzlich alles in ein neues Licht tauchte
und meinen Zukunftsplänen
eine neue Richtung gab.

Und schließlich müsste ich dir
von meinem Urlaub erzählen,
voller reicher Begegnungen, Gespräche,
gemeinsamem Schweigen und Musik hören.
Von noch einer Bergbesteigung,
zärtlichen Küssen
und dem Ausblick auf ein weites Land

und wie wir Discofox
in der Küche tanzten 🙂

...

Zwischen den Zeiten nun,
der Staub hat sich etwas gelegt,
schaue ich über das Tohuwabohu...

Sortieren ist angesagt und aufräumen,
wegwerfen, Abschied nehmen,
planen
und
lauschen

welches Lied nun
gesungen werden will

...

ich wollte dich lieben

ich wollte dich lieben, 
so gut ich es eben kann 
versuchte dich zu verstehen, 
bis es mir gelang
ich wollte dich lieben 
oft heillos verstrickt 
inmitten deinem und meinem, 
mich selbst verlierend 
wiederfindend
dir manches zumutend, 
deine Nähe suchend
führte der Weg mich zu mir,
seltener zu dir
hab dich gesucht 
und mich gefunden, 
du bliebst verwirrend
schwer zu finden
an den Tagen, 
wo es dir gelang, 
sichtbar zu sein und klarer, 
da warst du schön, 
die Liebe wahrer
doch zu viele dunkle lange Stunden, 
wollte ich dich lieben,
hab geweint, gebetet 
und bin geblieben

hab Briefe geschrieben 

mein Liebestank ist zu oft leer geblieben
Darum will ich mich nun kümmern, 
um das nicht zu verschlimmern 
gehe andere Wege, 
um mich zu lieben, 
weniger verstrickt, klarer, wahrer... 
mir treu
und wenn dieser Weg uns 
nicht näher zueinander bringt, 
dann führt er hoffentlich jeden von uns 
näher 

zu seinem eigenen Leben 

Auszeit

Nach zwei Tagen Auszeit an einem idyllischen Ort mit Feuer, Wasser, Erde und Wind, bin ich wieder zuhause gelandet.

Das einzige, was ich im Kopf habe ist, dass ich duschen und schlafen will, bevor mein Online-Seminar heute nachmittag losgeht. Aber dann stehen da die ganzen Kisten und Taschen mit noch nicht oder halb verbrauchten Lebensmitteln, Schüsseln und Dosen herum, die ich aus dem Auto ins Haus befördert habe. Auf der Treppe im Flur liegen Handtücher und mein Bademantel, der wieder mal nach Lagerfeuer riecht.

Ich seufze und fange an die Kisten in der Küche auszuräumen, die Spülmaschine zu leeren, Lebensmittel wegzupacken oder zu entsorgen usw. Anschließend renne ich mit dem Handtücher-Salat in den Wäschekeller und stelle eine Waschmaschine an.

Zufrieden damit, gleich etwas gegen das sich ohnehin unaufhaltsam breit machende Chaos getan zu haben, gehe ich duschen.

Der schöne, still daliegende See, an dem ich heute morgen noch gesessen, die Wasserläufer beobachtet, die Seerosen bewundert und über mein Leben nachgedacht habe, der wollte nichts von mir.

Aber hier scheint mich alles anzuschreien: Kümmere dich um mich!

Nach dem Duschen nehme ich mir bewusst vor, mich erstmal auf’s Sofa zu setzen und nichts zu tun. Mein Blick schweift in den Garten. Der Rasen müsste gemäht werden. Am besten bevor die Kinder morgen wiederkommen Vielleicht sollte ich doch eine Haushaltshilfe einstellen… 

Tausend Gedanken jagen durch meinen Kopf.

Nach einer Weile merke ich, dass ich bald wieder etwas essen sollte. Ich bin leicht genervt, dass ich dafür auch noch Zeit brauche. Im Kühlschrank wartet der Wildkräutersalat vom Biobauern. Den wasche ich. Während ich den Fenchel dazu klein schneide, überlege ich mir, dass mir das jetzt zu viel Arbeit ist, erst einen Salat zuzubereiten. Ich stelle einfach alle Zutaten auf den Tisch und fange an zu essen. Von jedem etwas. Erst etwas Salatblätter, dann ein wenig Fenchel, eine Tomate… Geht auch.

Ich bin müde. In meinem Kopf dreht sich das Gedankenkarussell und ich beschließe, mich beim Schreiben etwas zu sortieren, bevor ich die Augen zu mache.

Stunden später.

Ich möchte mich jetzt erinnern. Erinnern an das Zirpen der Grillen gestern Abend. An das in der Dämmerung warm leuchtende Feuer, das meine Füße wärmte, während es sanft vor sich hin flackerte und glühte. An das Rascheln der Blätter der Bäume und Büsche auf dem Waldgrundstück und an den Ufern des Sees. Ab und zu ein Platschen im Wasser, wenn ein Fisch versuchte ein Fliege zu fangen und an die Ruhe. Die Ruhe um mich herum und in mir drinnen.

Wie ich sie liebe und wie ich sie vermisst habe. Die Ruhe. 

Ich wollte sie mir nicht nehmen lassen. Auch nicht durch meinen möglicherweise auf mich wartenden Gatten, der schon das Bett im Baumhaus bezogen hatte, in dem wir noch eine Nacht verbringen wollten. 

Also blieb ich auf meinem Klappstuhl sitzen und horchte und lauschte und saugte die Atmosphäre in mich auf und wünschte, ich könnte diese Verfassung so in mir abspeichern, dass ich sie immer wieder abrufen könnte, wenn ich sie brauche.

Vielleicht gelingt es mir wenigstens in meiner Fantasie immer wieder hierhin zurück zu kehren, auch emotional.

Um die Frage, wie ich mich beruhigen bzw. regulieren kann, wenn ich unter toxischem Stress leide, geht es auch bei dem Seminar heute nachmittag, an dem ich online teil nehme.

Gewaltfreie Kommunikation und (Entwicklungs)-Trauma lautet der Titel.

Ich freue mich darauf, bin aber – wie immer, wenn ich etwas Neues mache und fremden Menschen begegne – auch angespannt und deshalb froh, dass ich nicht vor Ort dabei bin. Durch den Abstand bin ich doch etwas entspannter und es prasseln zuhause, in meinem zur Zeit stillen Wohnzimmer, weniger Reize auf mich ein, als wenn ich vor Ort wäre.

Menschen stressen mich in der Regel. Menschen sind potenziell gefährlich. Menschen verunsichern mich, versetzen mich in Spannung. Ich muss aufpassen, vorsichtig sein, erstmal beobachten… .

Ich fange hier aber schnell an mich zu entspannen. Unser Körper, unsere Gefühle werden einbezogen. Wir dürfen uns bewegen, gut für uns sorgen. Es wird nicht erwartet, dass wir die ganze Zeit auf dem Bildschirm zu sehen sind. Es wird geklärt, dass nichts, was ich hier möglicherweise von mir Preis gebe, diesen Raum verlässt.

Die Begegnungen sind angenehm. Ich erlebe Verständnis, spreche anderen aus dem Herzen, erlebe Erleichterung bei mir und bei anderen. Höre von gemeinsamen Sehnsüchten nach Austausch, nach Möglichkeiten der Selbstregulation, wenn das Nervensystem kollabiert, weil es Trauma- Stress wiederholt. Lerne dazu, probiere aus, höre zu, teile mit.

Ich erlebe – nicht zum ersten Mal – dass Menschen auch wohltun können. Erlebe Verbundenheit, Dasein dürfen, Gehört werden und schätze die erleichterte Freude in mir und den Anderen, wenn wir uns in unseren Worten wiedergefunden haben und wir spüren, wir machen die gleichen oder ähnliche Erfahrungen oder haben zumindest eine ähnliche Sprache dafür. Und außerdem sind wir nicht allein damit! Und keiner beurteilt oder bewertet hier jemandes Erfahrungen oder das, was oder wie jemand etwas sagt. Es darf da sein, was ist.

Nicht alles läuft glatt bei dem Seminar, aber danach fühle ich mich erfrischt und energetisiert. Aufgeladen mit vielen guten Gedanken, Begegnungen und Erfahrungen, denen ich später noch nachdenken will, gehe ich in meinen letzten freien Abend.

Gebrochene Flügel

Eine Frau geht einen Weg.
Sie überschreitet eine Schwelle. 
Betritt das Zauberland, 
in dem alle Wesen eine Sprache haben.
Sie wird begleitet von einer Frage.
"Wie finde ich Selbstvertrauen?"

Sie geht langsam,
hält Ausschau,
sieht Bäume 
und Blumen,
Felder und Wälder...
Sie sucht eine Begegnung,
eine Berührung 
mit dem Lebendigen.
Sie sucht eine Antwort.

Sie geht und geht
und wartet 
und schaut.
Sie will sich entspannen,
in froher Erwartung
loslassen,
Vertrauen wagen,
auf sich zukommen lassen...
Und da sitzt er.
Mitten auf dem Weg,
vor ihren Füßen,
ganz still

Ein Schmetterling
Weiß, zitronengelb und schwarz
sind seine Farben
und ganz still
sitzt er da
und regt sich nicht.
Ungleich scheinen seine Flügel.
Stimmt mit ihm etwas nicht?
Sie setzt sich
neben ihn
und fragt:

"Hast du eine Medizin für mich?
Eine, die Selbstvertrauen schafft?"
Schweigend sitzt er da.
Viel zu lang.
Stumm.
"Geduld.",
scheint er zu sagen.
"Vor allem mit dir selbst."
Und dann plötzlich
bewegen sich die Flügel
er flattert ein wenig vorwärts
den Weg entlang,
wie einer der stolpert,
gerät in Schieflage,
pausiert,
flattert weiter
immer am Boden.
Tränen treten ihr in die Augen.
Ja, so ist es, denkt sie.
Beschädigtes Selbstvertrauen
ist wie ein gebrochener Flügel.
Man stolpert so vorwärts...
Nach einer weiteren Weile
des Wartens,
Bestaunens:
"Du bist so schön...",
sagt sie,
als er seine Flügel ausbreitet,
geht es noch ein paar Schritte weiter...
bis er einen grünen Halm erreicht,
der aus dem Boden wächst,
daran hochklettert
und wieder sitzen bleibt.
Auf dem Boden bleiben ist keine gute Idee. 
Das sieht sie ein. 
Viel zu leicht, wird man übersehen... 
Vorsichtig hebt sie den Halm 
mitsamt dem Verletzten
und setzt ihn am Wegrand 
auf eine Blüte.

Manches Unkraut blüht so schön

Sommerferienblues hat jemand Nettes meinen letzten Eintrag genannt und witzigerweise habe ich genau das heute nachmittag schon einmal gedacht: Sommerferienblues! Genau das ist es.

Als ich heute Mittag von der Arbeit komme, steht das Frühstück noch auf dem Tisch. Vom Burger- Buffet, dass ich in der Küche drapiert hatte, war schon einiges weg. Es wimmelt von Obstfliegen. Die Kinder sitzen allesamt vorm Fernseher. Dort werden sie von meinem herbeigeeilten Mann jetzt weggeholt.

Ich finde im Kühlschrank noch etwas Essbares von gestern und beschließe, den Salat, den ich eigentlich jetzt zu machen geplant hatte, später zu machen und dafür die Reste zu verwerten. Ich informiere mich, wer denn schon etwas zum Mittag gegessen hat und bitte meinen Mann unserer Tochter noch eine kleine Mahlzeit zuzubereiten. Der ist aber gedanklich schon auf dem Weg zu seiner Arbeit.

In meiner Mittagspause schlafe ich tief und fest. Als mein Bewusstsein langsam aus der Versenkung auftaucht, versuche ich wahrzunehmen, in was für einer Verfassung ich mich befinde und was ich damit heute noch anfangen kann. Meistens gehe ich nachmittags gerne eine Runde spazieren, doch heute will ich auf jeden Fall gerne das gestern angefangene Buch weiterlesen.

Das wäre mein Wunsch. Gleichzeitig sind da die Kids und die Frage in mir, wie sie ihren Nachmittag verbringen und was das möglicherweise für mich bedeutet. In der Regel haben sie keine Lust zu dem, was mir Spaß macht und ich habe keine Ideen und keine Lust zu dem, was sie gerne machen würden. Ziemlich blöd. 

Heute habe ich ohnehin gar keine Lust irgendetwas zu machen. Ich will nur im Garten sitzen und lesen. Mehr nicht. Aber da draus wird nichts. Nicht mit den Kindern, die sich gerne mit mir darüber unterhalten wollen, was sie in der Stadt kaufen wollen. Ich erbitte mir wenigstens eine halbe Stunde Zeit zum Lesen und stelle danach fest, dass eins der Kinder auf dem Sofa schläft. Mit dem anderen lese ich ein Buch, dass ich ihm mitgebracht habe und blödele noch etwas herum.

Auf der Wiese liegt das abgebaute Zelt von der Kindergeburtstag- Nachfeier-Übernachtungsparty, was die Kids nicht mehr in die Tasche bekommen habe. Ich packe es zusammen und bin froh, dass das klappt. 

Im Garten sehe ich diese Pflanzen wieder, die da im Beet und an anderen Stellen sprießen und immer größer werden und beschließe, statt Spaziergang oder Yoga, mir die Gartenhandschuhe zu schnappen und mal wieder ein paar davon zu entfernen. Einige lasse ich stehen, weil ich wissen will, wie die Blüte dieser Pflanze, deren Namen ich nicht weiß, aussieht. Manches “Unkraut” blüht so toll, habe ich festgestellt.

Ich finde es schade, dass ich mich mit der Botanik so wenig auskenne. Seit kurzem habe ich eine Pflanzenerkennungs-App, um mich da wenigstens ab und zu ein bisschen weiterzubilden.

Auch zwischen den Bodenplatten, aus denen die befestigten Wege im Garten bestehen, sprießt es und ich rupfe noch ein bisschen und bin mir dabei gar nicht sicher, ob ich das eigentlich will. Dieses eine Gewächs, dessen Blätter fast wie Klee aussehen, bekommt wunderschöne kleine gelbe Blüten. Das weiß ich. Ich mache nicht alles weg, sondern lasse etwas stehen…

Als ich merke, dass ich Hunger bekomme, gehe ich in die Küche und tatsächlich ist es schon 19 Uhr. Bevor ich Essen machen kann, wartet jede Menge Arbeit auf mich, denn tatsächlich hat sich im Esszimmer und der Küche bisher nicht viel getan. Wie auch. Mainzelmännchen gibt es ja bekanntlich nicht.

Mein Magen zieht sich leicht zusammen. Wenn ich meine Gefühle raus lassen würde, würde ich in lautes Jammern und Klagen ausbrechen. Diese ganze Sch…Hausarbeit. Die ist an sich nicht so schlimm. Schlimm ist die Einsamkeit, die ich oft empfinde, wenn ich sie erledige. Und die unerschöpfliche Menge, jeden Tag wieder.

Wäsche ist auch seit gestern in der Waschmaschine. Müsste eigentlich aufgehangen werden. Auf dem Wäscheständer hängt auch seit 1,5 Wochen Wäsche. Müsste eigentlich abgehangen, zusammengelegt und weggeräumt werden. Schaffe ich aber jetzt nicht. 

Nach 1,5 Stunden bin ich mit dem Abendessen zubereiten fertig. Endlich etwas essen.

Es ist 21 Uhr und mein Mann ist immernoch nicht da. Eben hatte ich noch überlegt, ob ich nochmal zum See fahre… Mit Essen im Magen fühle ich mich aber zu müde und dann sind da ja noch die Kinder und der Tisch, der abgeräumt werden sollte…

Von der jungen Taube im Garten, den Ameisen, die hektisch ihre Eier in Sicherheit bringen und meiner Wut auf’s ADS schreibe ich heute nicht mehr. Denn heute ist in einer Stunde auch vorbei.