Ach du liebe Wut

Kürzlich hatt' ich ziemlich Wut, 
sogar beim Schlafen hat ich Not.
In der Nacht lag ich so wach
und dachte nach.

In den frühen Morgenstunden
wollte ich 'ne Lösung finden.
Ich bin ins Internet gegangen
und hab zu lesen angefangen.

Ich wollte in Erfahrung bringen,
wie andre mit der Wut umgingen.
Nun holte ich mir also Rat,
das fand ich hilfreich in der Tat:

Man könne sich ablenken,
statt ständig an die Wut zu denken.
Am besten eine Auszeit nehmen,
 statt sich hinterher zu schämen,
weil man sich hinreißen ließ
und sagte Sachen, die sind fies.

Man könne Wut als Energie verstehen
und sie im Körper gut wahrnehmen.
Oder einfach trotzdem lächeln,
tief atmen statt zu hecheln.
Oder eine Runde rennen.
Und singen,
dafür muss man Lieder kennen 🙂


Die Wut zu fühlen statt sie zu denken
und mir noch etwas Zeit zu schenken,
das hat mir dann ganz gut getan,
so konnt ich schlafen irgendwann.

Morgens hab ich mir nochmal Zeit genommen,
mit meiner Wut zusamm' zu kommen.

Ich hab ihr ein Gesicht gegeben,
indem ich sie gemalt hab eben.
Ich sah sie an und hab gefragt,
"Warum sie mich zur Zeit so plagt?
Ob sie mir etwas sagen will?
Dann war ich still.

"Ruhe könnte sie gebrauchen",
fing sie schließlich an zu fauchen.
"Und außerdem", kam's von tief drinnen,
"möchte sie auch mal bestimmen,
wie sie ihr Leben leben möcht
und es nicht andern machen Recht."

Da war ich doch ganz schön geplättet,
denn darauf hätt' ich nicht gewettet.
Ich musste das erstmal verdauen
und dann mal schauen... .

Schließlich sagte ich zur Wut:
"Ihre Worte wären gut
und ich würde ihr gestatten,
mich auch in Zukunft zu beraten."

Da war sie dann auch hochzufrieden
und wusste, sie wird nicht gemieden.
Seitdem gehört sie mit zum Team
und muss nicht einsam umherziehn.

Ich musste ja dann trotzdem reden
mit den Leuten deretwegen,
ich mit ihr Bekanntschaft machte. 
Das gelang mir auch ganz sachte.

Ich hatte sie ganz gut verstanden
und wurde nicht zum Elefanten.
Das Porzellan, das blieb ganz heil
und das auch nicht nur so zum Teil.

Drum müsste ich etwas empfehlen,
so wär's: sich nicht davon zu stehlen,
nicht schweigen und nicht unterdrücken.
Doch auch nicht prügeln und rumzicken.

Sondern der Wut 'ne Stimme geben,
ihr zuhör'n, sollte sie auch beben.
Ihr Zeit lassen, all das zu sagen,
was wir vielleicht nur schwer ertragen.
Erlauben, dass sie da sein darf,
ganz ungeschminkt und gar nicht brav.

Ich sag das auch nicht leicht daher,
mit Wut umgehen, ist echt schwer.
Ich kann auch gar nicht sicher sagen,
werd ich es demnächst wieder wagen,
so vorbildlich hier zu agieren
und ihr geduldig zu zuhören!?

Dennoch will ich 'ne Bresche schlagen:
auch deine Wut soll nicht verzagen.
Denn auch die Wut, die braucht 'nen Platz
und das ist jetzt mein letzter Satz.


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Im Keller

„Meine Laune ist im Keller, ich hoffe sie bringt Wein mit.“

Vor kurzem las ich diesen witzigen Spruch. Der fiel mir gerade wieder ein, als ich an meinen Blutdruck dachte. Der ist nämlich bei mir im Keller. Als ich kürzlich darüber nachdachte, was er mir damit vielleicht sagen möchte, formte sich der Satz: „Halt mal die Bälle flach!“ Und obwohl das im Hinblick auf Stress, Sachen, die keine Freude machen und erdrückende Gedankenkarusselle und so, ein echt guter Hinweis ist, war mir das dann doch zu wenig motivierend. Also hab ich überlegt, ob da auch eine erfreulichere Botschaft drinne stecken könnte und kam auf:

„Du hast da noch ganz viel Luft nach oben!“ 🙂

Na, das ist doch mal ein Ansporn!

Achtung Bremse! Fertig! Los!

Eines Tages bin ich gerannt 
einen Puppenwagen vor der Hand
als - ich wusste nicht, wie mir geschah -
eine große Hand war plötzlich da,
stoppte meinen frohen Sprint:
"Mit dem Wagen man nicht rennt!"
Verdattert bleib ich seitdem stehen, 
trau mich nicht mehr schnell zu gehen.
Erschrocken ist mein feines Herz
mit Schuldgefühl und falschem Schmerz.
Spür ich Lebenslust in mir, 
schau ich rücksichtsvoll umher.
Leg den Finger auf den Mund. 
Vorsicht halt ich für gesund.

"Achtung! Vielleicht gelten hier",
sagt eine leise Stimme mir,
"Regeln, die ich noch nicht kenn.
Wer weiß das schon, wer sagt mir's denn?"
Also tue ich sehr schlau, 
studiere Gangarten genau.
Die Nachahmung fällt mir eher schwer,
ich wähle sitzen nun doch mehr.
Heut schreib ich diese Zeilen, 
ich mag hier nicht verweilen.
Ich will anerkennen: 
ich möchte wieder rennen!!
Ausgelassen 
Frohgemut
Will es fassen,
wie gut das tut.

Meine Hände sind jetzt groß!
Lassen alte Regeln los.
Lauf mein Kind! 

Der Puppenwagen
wird nicht klagen.
Halt dich nicht auf!
Mein Kind, nun lauf!

„Es war im Kindergarten. Tatsächlich wurde ich von einer Erzieherin gestoppt, weil ich mit einem Puppenwagen über den Hof rannte. Ich weiß noch sehr gut, wie energievoll ich mich fühlte, als ich das tat und wie unangenehm mir das war, so ausgebremst zu werden. Diese Erfahrung steht für einige andere, durch die ich mich hab einschüchtern und blockieren lassen. Ich möchte die Lebensenergie und ihren Fluss gerne zurück in mein Leben holen.“

Ohne Worte

In der Stille
vor Gott zu sein,
ist für mich ein Akt der Anbetung
und der Hingabe.
Ich muss gar nichts tun.
Es geht nur um meine Anwesenheit.

Mit meinem Dasein
und meiner Ausrichtung
sage ich unausgesprochen:
Ich bin hier vor dir,
weil du wichtig bist
für mich
und für diese Welt.

Ich erwarte nichts,
ich beanspruche nichts.
Im Gegenteil,
ich erlaube Gott
so da zu sein,
wie er ist und will.
Genauso,
wie er mir erlaubt,
so da zu sein,
wie ich gerade bin,
mit meiner Verfassung,
meinen Themen.

Gerade darin erfahre ich
sein JA zu mir
und lerne
in dieses JA
einzuwilligen.

Ja, ich muss das lernen.
Denn es ist mir nicht leicht,
so vor Gott zu sein,
wie ich bin.

Gerade in der schweigenden Anwesenheit
wird mir stärker bewusst,
wie es mir gerade geht
und wovon
ich in Beschlag genommen bin.

In dieser Zeit
hat meine Seele Gelegenheit
alles mögliche
in mein Bewusstsein
zu spülen,
was ich
in der Aktion
gut verdrängen kann.

Das ist durchaus oft unangenehm.
Und doch
es gibt nichts heilsameres
als es gerade hier
wahrzunehmen,
auszuhalten
und hin zu halten.
Denn alles darf hier sein.

Für Gott gibt es keine Tabus.
Höchstens für mich.
Er kann alles aushalten.
Ich vielleicht nicht.
Und das ist auch in Ordnung.

In seinem Ja zu mir,
komme ich zur Ruhe.
Ich kann nicht alles ändern,
aber es ändert sich etwas in mir.

Ich halte Gott die Tür auf
zu meinem Herzen
und damit auch
zu seiner Welt.

So bringe ich
mein Vertrauen zum Ausdruck
und ehre ihn.

Einfach
ohne Worte.

Erwin

Ich sitze mit Wut und Ärger im Bauch auf meinem Meditationskissen.

„Du kannst deine Unzufriedenheit selbst gerade nicht besonders gut aushalten,was!?“

„Nein, kann ich nicht. Ich möchte im Grunde nicht unzufrieden sei. Das ist unangenehm und unerfreulich auch für die anderen.“

„Wegen mir darf deine Wut jetzt hier bei uns sein.“

„Ja.“ (seufz)

„Was denkst du, was die Wut braucht?“

„Ich hab den Eindruck, sie braucht vor allem gerade Zeit… Zeit da zu sein.“

„Möchtest du ihr Zeit geben?“

„Ach, sie nervt mich so… .
Ich lass ihr Zeit, ok.“

Ich beobachte meine Wut.

„Wie heißt deine Wut?“

„Sie heißt Erwin!“

„Was macht Erwin?“

„Erwin schreit und schlägt um sich. Er trommelt mit den Fäusten auf den Boden. Er wirft mit Sachen um sich… .“

„Was schreit er denn?

„ER schreit: ‚Lass mich in Ruhe, ich kann das nicht ertragen. Warum tust du mir das an. Ich halte das jetzt nicht aus… !‘
Ich glaube, Erwin ist gerade alles zu viel. Er braucht Ruhe und eine Pause.“

 

Wir lassen Erwin noch toben bis er erschöpft ist.

Langsam beruhige ich mich. Erwins Anwesenheit auszuhalten war nicht einfach. Aber schließlich war es gut, dass er seine Zeit und seinen Raum bekam.

Vielen Dank an meinen inneren Therapeuten!!

Vielversprechende Pflanzen

Wer angesehen wird und merkt  dass man ihm etwas zutraut, der wächst. Wer seinen Platz im Leben findet, erblüht – und nimmt dabei erstaunlicherweise keinen fremden Platz ein, nur den eigenen. Dennoch ist unsere Gesellschaft voller Blumen, die nie zur Blüte gelangt sind, Menschen, deren Gaben nie gesehen und in Gebrauch genommen wurden und die den Glauben daran verloren haben, dass gerade sie einen wichtigen Teil zum Ganzen beitragen könnten. Diese Art von Zweifel hat manche vielversprechende Pflanze erstickt und die Welt zu einem ärmeren Ort gemacht.

Tomas Sjödin

Am Totenbett

atemlos
leichenblass
es ist noch dein Gesicht
und doch nur eine Hülle

leere Stille
unbewohnt
regungslos

doch noch nicht lange

eben warst du noch da
hat dein Geist
deinen Körper noch belebt
bewegt
sich mitgeteilt

nur eine Ahnung weit
doch nicht zu fassen
wohin du gegangen

all die Erinnerungen
füllen die Luft
und unsere Gedanken

dein Lachen
dein Witz
dein suchender Blick

Dankbarkeit und Schmerz

fort genommen
bist du uns
in dieser Welt

wir hören noch nicht auf
von dir zu reden
und vielleicht auch mit dir

du verbindest uns nun
mit der anderen Welt
auf die auch wir
unweigerlich
zu gehen