Angst, Gewalt, Integration und Martin Luther King

Heute morgen las ich auf Facebook von dem Selbstmordattentat in Pakistan/Lahore, bei dem so viele Kinder ihr Leben verloren.
Später las ich in „Mein Leben mit Martin Luther King“ von Coretta Scott King von dem Bombenanschlag auf eine Kirche in Birmingham, bei dem 4 kleine Mädchen starben. Sie schreibt darüber:„Es war ein vernichtender Schock für Martin und mich, daß jemand derart hassen konnte, daß er unschuldige Kinder tötete.(…) Nüchtern erkannten wir, daß es noch lange dauern würde und einer äußersten Anstrengung bedurfte, um die Herzen vieler weißer Amerikaner zu ändern.“
Die Bemühungen der Kings und der Befreiungsbewegung wirken nicht nur ergreifend auf mich, sondern sind auch noch so brandaktuell. Von Integration ist da auf fast jeder Seite zu lesen und von Drohungen und Anschlägen.

Dietmar Roller, Leiter der IJM Deutschland, einer Organisation, die sich für Menschenrechte einsetzt, sagt in einem Interview (–> http://www.tobiasfaix.de):
„Wir Christen haben viel zu lange geschwiegen und zugeschaut. Wir haben heute beim Thema Sklaverei Zustände wie zu Zeiten von Wilberforce. Dort war es die Sklaverei in den Kolonien, das Elend war weit weg und in Europa war man nicht direkt betroffen. Heute ist es ähnlich, wir sind erschüttert, wenn wir die Zahlen hören, aber es ist doch weit weg. Was hat das mit uns zu tun? Aber die Ungerechtigkeit der Menschen schreit zum Himmel und der Schrei nach Gerechtigkeit ist ein Auftrag an uns Christen. Grundlage der Sklaverei ist Rassismus – früher und heute. Andere Kulturen sind niedriger und weniger wert. Aber wir Christen sagen: Alle Menschen sind vor Gott gleich und haben die gleichen Rechte und deshalb auch die gleichen Zugänge zu Rechtssystemen oder auch Religionen. Deshalb: Wir müssen unsere Stimme erheben!“

Die Krisen und Konflike unserer Zeit lassen sich ganz bestimmt alle auf die Ursachen von Habgier und daraus resultierender Unterdrückung und Ausbeutung, auf Angst und daraus resultierendem Hass und Gewalt, auf Rache und Aggressionen zurückführen. Sich Bitterkeit und Hass hinzugeben und zu Gewalt zu greifen, wenn man sich hilflos und ausgeliefert fühlt, ist verständlich. Ich kenne diese Reflexe aus meiner eigenen Seele ja nur zu gut.

Ich fühle beim Lesen mit den Schwarzen, die angesichts der jahrelang ertragenen Misshandlungen und Ungerechtigkeiten und den nun erfahrenen massiven Angriffe auf ihren friedlichen Widerstand stets in der Gefahr sind, die Geduld zu verlieren und in blinder Wut doch wieder zur Gewalt zu greifen. Ich fühle, wie sich auch mir die Faust in der Hosentasche ballt und ich unfreundlich und herablassend, provozierend und bösartig werden möchte.

Wie nötig war die Stimme Martin Luther Kings und seiner Mitstreiter, die immer wieder dazwischen rief: „Bitte…legt eure Waffen weg. Wir können dieses Problem nicht durch Vergeltung lösen. Wir müssen der Gewalt mit Gewaltlosigkeit begegnen. Denkt an die Worte Jesu: ,Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen.‘ Wir müssen unsere weißen Brüder lieben, gleichgültig, was sie uns antun. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir sie lieben. Jesus ruft uns auch heute über die Jahrhunderte hinweg zu: ,Liebet eure Feinde.‘ Dies müssen wir leben. Wir müssen Haß mit Liebe vergelten.“ (Mein Leben mit Martin Luther King, C. Scott King, S. 153)

Ich brauche diese Stimme, die mich mahnt, in meinen Angreifern, meine Brüder und Schwestern zu sehen.
In mir ist soviel Wut und Ärger, so viel Gewaltbereitschaft, deren ich gewahr werde, in banalen Situationen meines Alltags. Ich erschrecke davor und spüre, dass ich da noch genauer hinschauen muss. Ich habe es noch nicht gelernt jesusmäßig damit umzugehen und ich erlebe, dass es vielen so geht wie mir.

Mich beeindruckt die Methode der Gewaltfreien Kommunikation (Marshall Rosenbergs) und ich übe und wünsche mir, es mit anderen tun zu dürfen. Auch die Schwarzen der Befreiungsbewegung haben trainiert, wie sie auf Angriffe gewaltlos reagieren können, bevor sie sich der Realität ausgesetzt haben. Ich glaube, dass wir solches Training gerade als Botschafter der Versöhnung dringend nötig haben.

Angst

Du starrst mich an
schreckgeweitet deine Augen
das Gitter fest umklammert
Dein Blick geht ins Leere

Im Gefängnis meiner Angst
sehe ich dich

Unruhig läufst du auf und ab
der Verstand lärmt
presslufthammerartig

Ich sehe dich

Du schaust aus dem Fenster
Unsere Blicke treffen sich
Du siehst mich
endlich

Ich stehe mit dir
im Gefängnis unserer Angst
halte deine Hände

Ich bin bei dir

Du lehnst deinen Kopf
an meine Brust
und weinst
und weinst
und weinst
die Tränen unserer Angst

Ich bin bei dir

Antwort

„Die Frage:“Gibt es Gott?“ erfordert nur eine kurze Bewegung der Lippen. Man sagt Ja oder Nein. Ganz anders ist es mit der Frage:“Wie ist Gott?“ Diese Frage hat Kraft. Denn zu glauben heißt, mit dem eigenen Leben die Antwort auf das Wie zu geben.“ (Martin Schleske, in „Der Klang“, S. 199)

 

 

Ordnung

Zwei Haltungen, die ich mir in den letzten Jahren dazu zugelegt habe:
1. Ordnung macht Freude.
2. Freude ist wichtiger als Ordnung.

Ersteres ist wichtig, wenn der Zustand unserer Wohnung Ausdruck meiner inneren Verfassung ist und Aufräumen ein Anfang wäre, beides zu verändern.

Zweites tritt in Kraft, wenn zb. meine Kinder im Wohnzimmer eine Höhle bauen wollen oder mit einem Wollknäul ein großes Netz in ihrem Zimmer installieren, welches hinterher wieder zerschnitten wird.