Gute Mutter

Ich weiß, was eine gute Mutter ist
und versuche es zu sein.
Präsent, zugewandt, Engelsgeduld…
Doch manchmal scheitere ich hier.
Scheitere,
an dem Kind in mir.

Trotzig möchte ich dann schreien:
„Was kann ich denn dafür?
Kümmer‘ dich doch selbst!“
Und weiß doch,
dass du das noch nicht kannst,
so wie das Kind in mir.

Und dann muss ich mich entscheiden.
Worum kümmere ich mich zuerst?
Um deinen oder meinen Schmerz?

Denn die Mutter in mir weiß,
was eine gute Mutter ist.
Präsent, zugewandt, Engelsgeduld…
Wenn der Faden reißt, mein Kind,
liegt es nicht an dir.

Es liegt, an dem Kind in mir,
dass heute einen Engel braucht.
Eine Mutter,
wie ich sie grad nicht sein kann,
aber gerne wär‘!

Natürlich bin ich auch als Mutter ein Mensch mit Grenzen, Bedürfnissen, Wünschen und einer eigenen Geschichte. Vielleicht ist es auch gerade diese eigene Geschichte, die in mir ein klares Bild formte, wie ich, nicht nur als Mutter, sondern auch als Mensch, gerne sein wollte. Tatsächlich bin ich nicht nur einmal daran gescheitert.
Ich habe dieses innere Bild aber nicht gänzlich begraben. Ansprüche an sich selbst zu haben, ist nicht verkehrt. Allerdings musste ich meine Vorstellung, ich könnte ohne jedwede Anstrengung einfach dieser Mensch sein, der ich gerne wäre, an die Realität anpassen.
Zum einen hieß das, zu lernen, dass Bedürfnisse zu haben nichts schlechtes oder egoistisches, sondern etwas normales ist. Es hieß zu verlernen, mich dafür zu schämen und schuldig zu fühlen. Und das ist der schwerste Teil!
Und schließlich hieß es, zu lernen, mich angemessen, wie eine gute Mutter, um meine Bedürfnisse zu kümmern, meine Grenzen zu achten und meine Wünsche ernst zu nehmen. Dass ich das nicht schon längst gelernt hatte, liegt sicher nicht zuletzt auch daran, dass ich in einer Gesellschaft aufgewachsen bin, die Kinder im Besonderen und menschliche und emotionale Bedürfnisse im allgemeinen aus dem Blick verloren hat(te).
Dem Kind in mir seine Würde zurück zu geben, die es in dieser Gesellschaft verlor, ist für mich eine wichtige Aufgabe geworden, der ich auch um all der anderen Kinder willen, gerne nachkommen will.“

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